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In dieser Gruppenausstellung zeigte die Galerie drei unterschiedliche malerische und narrative Positionen: die Bilder des lettischen Malers Jānis AvotiņŠ entführen den Betrachter in eine mysteriöse, kafkaeske Bilderwelt, in der sich Mensch und Umwelt unmittelbar und doch fremd gegenüberstellen. Ganz eigene, biographische Motive stellen bei Jan Stieding die Basis seines malerischen Rückblicks dar – das früher Vertraute wird aus zeitlicher Distanz heraus neu befragt. Cornelius Quabeck dagegen untersucht mit psychologischem Hintersinn den Zusammenhang zwischen Mensch und Tier durch Kohlezeichnungen von hybriden Mischwesen. Das Hauptmotiv des jungen lettischen Malers Jānis AvotiņŠ (geb. 1981) ist so klar wie essentiell: die Präsenz des Menschen, die von einer fundamentalen Einsamkeit geprägt ist. In seinen Bildern sind die gezeigten Gestalten allein, auf sich gestellt und meist extrem kleinfigurig in einen großen räumlichen Kontext gestellt. Seine Bilder erscheinen wie zeitgenössische Porträts menschlichen Lebens – Porträts, die einen zufälligen Charakter haben und dabei doch etwas Vorbestimmtes zu thematisieren scheinen. Die Ambivalenz und Verletzlichkeit des modernen Lebens wird durch die verschwommenen Konturen und die weiche Farbgebung seiner Bilder noch besonders unterstrichen.  Jan Stieding (geb. 1966) war Meisterschüler von Jörg Immendorf an der Kunstakademie Düsseldorf. Aufgewachsen in der DDR transportiert er viele Referenzen und Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit durch seine Malerei in unsere heutige Zeit. Der Rückblick des Künstlers mit den Mitteln der Malerei geschieht dabei immer mit einem leicht ironischen Fokus. Seine Figuren verharren haltlos wie bei einer Momentaufnahme vor einer unwirklich gewordenen Kulisse: einer repräsentativen Bar, einem geschmückten Kulturhaussaal oder einer zugefrorenen Seelandschaft. Stiedings spezifisch malerische Umsetzung unterstützt diesen Eindruck: ob es nun die Schlittschuhläuferin ist oder wie in dem Werk Subotnik die jungen Frauen, die einen freiwilligen, unentgeltlichen Arbeiteinsatz in der Landwirtschaft leisten – sie alle sind collageartig ins Bild gesetzt und damit klar von dem sie hinterfangenden Bildraum getrennt. Von einer ganz anderen Natur und Welt zeugen die Kohlezeichnungen vonCornelius Quabeck (geb. 1974), die er freihand auf Baumwoll- bzw. Nesselgewebe zeichnet und analog zur Malerei auf Keilrahmen spannt. Virtuos gelingt es Quabeck mit tausenden einzelnen Strichen verschiedenste Porträts und Naturszenerien von Menschen, Tieren und hybriden Mischwesen festzuhalten. Wichtig ist Quabeck dabei, zeichnerisch die evolutionsgeschichtliche Verwandtheit von Mensch und Tier, aber auch die Nähe ihrer psychologischen Wesenszüge zu unterstreichen. Deutlich wird das beispielsweise in der Gegenüberstellung seiner beiden neuen Arbeiten, in denen er jeweils die windverwehte Mähne einer Frau und eines Pferdes in den Mittepunkt stellt und dabei bewusst menschliche Haltungen und Wesenszüge durch das Tierporträt nachahmt.  Ganz andere Assoziationen im Verhältnis von Tier und Mensch spielen in der Arbeit Die Kraft der Negation eine Rolle: darin nähert sich ein Gorilla wie in einem alten King Kong Film zerstörerisch der Großstadt. Von einem vollkommen anderen, viel märchenhafteren Kontext erzählt Quabeck in seiner zweiteiligen Arbeit Der Sprung ins Glück und wieder zurück – darin springt ein Hund schwerelos in einen leuchtenden Sternennebel und evoziert einen traumhaften, kosmischen Einheitszustand. Die Ausstellung ist Teil unserer Folge von Gruppenausstellungen mit jungen zeitgenössischen Malern.

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Janis Avotins, Cornelius Quabeck, Jan Stieding13.11.2004 – 15.01.2005
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