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Zum ersten Mal zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle eine Einzelausstellung der kosovarischen Künstlerin Flaka Haliti, die im letzten Jahr ihr Heimatland auf der 56. Biennale in Venedig vertreten hat. Spätestens seitdem ist sie international bekannt für ihre geopolitische Auseinandersetzung mit Landesgrenzen und der Identität von Vereinigungen wie der UNO oder der Europäischen Union. In Venedig füllte sie einen Raum mit blauem Sand und platzierte innerhalb des Raumes eiserne Gitter-Konstruktionen, die normalerweise als Gerüst für   Betonelemente von Grenzmauern dienen. Dieser Raum wurde durchflutet von Licht, das vom Weißen ins Gelbe, Rote, Pinke bis ins Blaue überging, zwei Mal am Tag in Referenz zur blauen Stunde. Mit den wechselnden Lichtfarben veränderte sich auch die Raumwahrnehmung, die Grenze zwischen Wand und Boden verschmolz vor allem im blauen Licht und öffnete den Raum ins Unendliche – eine Anspielung auf offene Landesgrenzen, wie die innerhalb der EU und gleichzeitig ein Affront gegenüber dem Länderschauprinzip der Biennale von Venedig.

In der Ausstellung „tea towels have something to do with tea“ in der Galerie Rüdiger Schöttle überträgt Flaka Haliti die Installation „My Gravity Slipped Away“, die bis Ende Mai im Projektraum SALTS in Birsfelden (CH) gezeigt wurde, auf die räumliche Situation der Galerie in München. Über die Tiefe des Ausstellungsraumes erstreckt sich in Form einer Tapete ein grau-weiß kariertes Gitternetz – eine Anspielung auf ein leeres Photoshop Dokument. Dieses „unbeschriebene Blatt“ wird bevölkert von glasbemalten Strichmännchen. Ursprünglich stammen die Zeichnungen von Kindern aus aller Welt, die eine internationale Schule in Abidjan (Elfenbeinküste) besuchen. Flaka Haliti hat diese Zeichnungen auf Glaspanele in Kindergröße übertragen und lokalisiert sie auf diesem Niemandsland. Als Besucher ist man dazu eingeladen, diese Fläche zu begehen und mit den Figuren in Verbindung zu treten. Diese Raum-in-Raum Situation lässt die digitale mit der analogen Welt verschmelzen und schafft so eine Art neutralen Boden, der auf jeden Ort übertragbar ist.

Flaka Haliti (*1982 in Prishtina, Kosovo) lebt und arbeitet in München. Sie studierte an der Universität in Prishtina und an der Städelschule in Frankfurt. Aktuell ist sie Teilnehmerin des PHD in Practice Programs an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die Künstlerin ist zudem eine der diesjährigen Stipendiatinnen der Villa Romana in Florenz und Gewinnerin des Ars Viva Preises 2016. Flaka Halitis Arbeiten wurden bisher u.a. gezeigt in der Kunsthalle Wien, mumok Wien, Kosovo National Gallery in Prishtina, Haus der Kulturen der Welt Berlin und auf der 6. Moskau Biennale. Ihre Arbeiten sind in diesem Sommer Teil der Ausstellung Favoriten III : Neue Kunst aus München im Lenbachhaus München.

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My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
My Gravity Slipped Away, 2016
Installation view Galerie Rüdiger Schöttle
Photo: Wilfried Petzi
Flaka Halititea towels have something to do with tea01.07.2016 – 30.07.2016
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