english deutsch

Zum Auftakt des 50-jährigen Bestehens der Galerie Rüdiger Schöttle werden die aufstrebende Position des chinesischen Künstlers Chen Wei sowie Thomas Ruff präsentiert. Chen Wei wurde im Jahr 2010 erstmals in Deutschland bei Rüdiger Schöttle gezeigt, Thomas Ruff ist seit langem mit der Galerie verbunden und hatte 1981 das erste Mal eine Ausstellung hier.

Die Werke der neuen Ausstellung Falling Light von Chen Wei vereinen Motive und Schwerpunkte aus den letzten Jahren aus dem Schaffen des Künstlers und entwickeln diese weiter: Menschenleere urbane Räume, bühnenhafte Settings mit starken Lichteffekten, nasser Untergrund, vereinzelte Personnagen oder deren Hände in isolierten Szenen, symbolisch aufgeladene Elemente wie funkelnde Münzen. Das Unvollendete taucht in den noch nicht fertig verlegten Pflastersteinen von Fresh Paint auf, das Gewesene auf dem gekachelten Boden eines Nachtlokals in Fragment, wo die Überreste einer Party, zerbrochene Flaschenscherben, am Boden verstreut sind. Die Verheißung ist das Thema bei Sharing Apartment, wobei die offen stehende Tür und das warme Licht, das hinter dieser hervorgeht, mit dem leeren vorgelagerten Raum gleichzeitig auch eine unheimliche Stimmung evozieren.

Chen Wei verhandelt in seinen Inszenierungen die menschliche Existenz mit ihren Sehnsüchten und ihrem Ausgeliefertsein. Die Körper, ob an- oder abwesend im Bild, werden in ihrer Konditionierung und dem Versuch dieser zu entrinnen, dargestellt. In seiner bekannten Serie der Nachtclubs kommt jene Thematik besonders zur Geltung. Die nach Momenten der Freiheit dürstenden Figuren wirken jedoch gerade an diesen Sehnsuchtsorten mitunter wie betäubt. Wo finden wir Räume und Techniken, die uns befreien? Wann sind wir wirklich frei? In der Arbeit Two Lights sind zwei Ringe um einen Zeige- und Mittelfinger befestigt, die mit kleinen Leuchtapplikationen in weißem und blauem Licht versehen sind. Welche Funktion haben die leuchtenden Ringaufsätze? Sind es zeitgemäße Schmuckstücke in einer technoiden Ästhetik oder sind es digitale Messgeräte wie sie beim health tracking eingesetzt werden? Wo landen unsere Körperdaten in einem solchen Fall? Chen Wei gibt uns Fragen über unsere hochtechnisierte Welt mit auf den Weg, so wie auch in Mike, wo eine männliche, im Hell-Dunkel anonym gehaltente Figur auf dem Screen eines Smartphones herumtippt.

Chen Wei wurde 1980 in der Provinz Zhejiang in China geboren. Er lebt und arbeitet in Peking. 2017 hatte er eine Einzelausstellung im Centre for Contemporary Photography in Melbourne, 2016 in der JNBY Foundation in Hangzhou, 2015 war sein Werk ist in der Gruppenausstellung Zeitgenössische chinesische Fotografie am Museum Folkwang in Essen zu sehen sowie in einer Einzelausstellung am K11 Art Space in Shanghai. Arbeiten von Chen Wei sind in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten. (S. Kunz)

>
Chen Wei
Wanderful, 2017
Archival Inkjet Print
100 x 100 cm
Chen Wei
Fragment, 2013
Archival Inkjet Print
64 x 80 cm
Chen Wei
Falling Light, 2015
Archival Inkjet Print
150 x 187,5 cm
Chen Wei
Dark Mosaics #1, 2016
Archival Inkjet Print
50 x 40 cm
Chen Wei
Coins (Bust of a Classical  Woman), 2016
Archival Inkjet Print
100 x 80 cm
Installation view Chen Wei at
Galerie Rüdiger Schöttle 2018,
Photo: Wilfried Petzi.
Installation view Chen Wei at
Galerie Rüdiger Schöttle 2018,
Photo: Wilfried Petzi.
Installation view Chen Wei at
Galerie Rüdiger Schöttle 2018,
Photo: Wilfried Petzi.
Installation view Chen Wei at
Galerie Rüdiger Schöttle 2018,
Photo: Wilfried Petzi.
Chen Wei
Two Lights, 2016
Archival Inkjet Print
40 x 50 cm
Chen WeiFalling Light09.02.2018 – 07.04.2018
key