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Der albanische Künstler Anri Sala präsentierte eine Auswahl seiner Kurzfilme im Filmmuseum.Anri Sala, 1974 in Tirana/ Albanien geboren, lebt in Berlin und gilt als eines der größten Talente der jüngeren Kunst und Videokunst. Bislang ist er mit Filmen in Erscheinung getreten, in denen aus scheinbar unspektakulären Ereignissen emotional aufgeladene Geschichten entstehen. Salas Werk besteht aus Photographien und Filmen in Digitaltechnik, die ähnlich wie Photographien auf einzelnen, meist paradox anmutenden Bildern beruhen. Themen und Motive aus den Rändern der westlichen Zivilisation werden zu "Tableaux vivants" mit packender Ausdruckskraft. Die meisten seiner Filme sind in Albanien realisiert worden. Die sorgfältige Auswahl der Protagonisten, die Langsamkeit der Inszenierung, die fast gänzliche Abwesenheit einer Kamerabewegung und die Achtsamkeit gegenüber scheinbar unwichtigen Details tragen zu einer komplexen Arbeit des Erinnerns bei – biografisch wie gesellschaftlich. Gemeinsam ist seinen Arbeiten ein von der Digitaltechnik ermöglichtes Zwielicht. Seit Jahren reflektiert der Künstler in seinen Werken darüber, wie politische und soziale Gegebenheiten Identitäten verändern, verformen, verzerren oder vernichten. Er fragt nach der Heimat und wie es sich lebt, wenn man sich "nur eingerichtet" hat. "Ich bin daran interessiert, mich in meiner Arbeit jenen dunklen Regionen zu näheren, in denen Kultur und Natur aufeinander treffen, wo die Regel auf das Zwanglose, das Rationale auf das Irrationale, der Wunsch nach Kontrolle auf den Wunsch nach Kontrollverlust oder nach dem Nicht-Gewollten trifft." (Anri Sala)

Die Veranstaltung war eine Zusammenarbeit der Galerie Rüdiger Schöttle mit dem Filmmuseum München.
Filmprogramm:TIME AFTER TIME (2003, 6 min) – Die Kamera ist auf ein Pferd gerichtet, das nachts unbeweglich am Straßenrand steht, während der Verkehr an ihm vorbeirauscht.PROMISES (2001, 4 min) – Anri Sala lässt vier albanische Freunde einen Satz von Al Capone sprechen: "Nobody puts a price on my head and lives".INTERVISTA (1998, 26 min) – Interview mit Salas Mutter, das sie vor vielen Jahren als Vorsitzende der kommunistischen 'Jung-Allianz' im staatlich-albanischen Fernsehen gegeben hatte. Anri Sala findet diesen alten Fernsehmitschnitt wieder, bei dem jedoch die Tonspur fehlt. Auf der Suche nach den verlorenen Worten reist er nach Albanien und kann die Worte mit Hilfe von taubstummen Schülern rekonsturieren.LAK-KAT (2004, 10 min) – In Senegal gedreht, wiederholen drei Jungen die Worte eines Mannes in Wolof – einer der lokalen Sprachen. Bei den zu sprechenden Worten geht es um Dunkel und Licht, um weiß und Schwarz, um die Beschreibung von Hautfarbe und Rassen.UNTITLED (2004, 7 min)UOMODUOMO (2001, 2 min)GHOSTGAMES (2002, 9 min) – Herumirrende Krebse an einem nächtlichen Strand, Menschen zwischen Faszination und Abwehr. In Nahaufnahme beobachtet die Kamera die geisterhafte Bewegung der "Ghost-crabs" und das flackernede Licht von Taschenlampen. Bei dem Spiel geht es darum, eine Krabbe zwischen den Beinen des Gegenspielers hindurchzujagen.NOW I SEE (2004, 9 min) – Der Film beginnt als Konzertfilm, doch nach einer Minute bricht die Musik ab. Ein künstlicher Hund und ein andere Tonspur ersetzten die unmittelbare Präsenz der Band und der Live-Musik.LONG SORROW (2005, 13min) – Die monströse Architektur des Märkischen Viertels in Berlin aus den späten 60er Jahren ist die symbolische Kulisse für melancholische Szenen: Ein schwarzer Musiker hat seine Wohnung durch das Fenster verlassen, um im Freien, hoch über der Stadt schwebend Freejazz zu spielen. Preis der Nationalgalerie für junge Kunst.

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Anri Sala"Open Scene" Filmmuseum München03.04.2008 – 03.04.2008
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